Pflanzenschutz bei Fuchsien

Autor: Karl-Heinz Saak 

7 Tipps zum Pflanzenschutz 

1. Bekleidung: Die Bedeckung der Haut, einschließlich der Hände, ist Voraussetzung für den Umgang auch mit ungiftigen Pflanzenschutzmitteln. Auch diese können Allergien hervorrufen. Anlass zu diesem Tipp sind Fotos in Katalogen, bei denen Personen in Hemdsärmeln Pflanzenschutzmaßnahmen durchführen.

2. Wirkstoffe: Viele Pflanzenschutzmittel haben Fantasienamen, die wenig über die wirksamen Bestandteile des Mittels aussagen. Zum Teil haben fast identische Pflanzenschutzmittel Namen mit ganz unterschiedlichen Wirkstoffen. Zum Beispiel Celaflor Pilzfrei Saprol mit dem Wirkstoff Myclobutanil gegen Mehltau, Rost, Schorf und Rosen Pilzfrei Saprol mit dem Wirkstoff Azoxystrobin gegen Rost. Darum achten Sie zuerst auf den Namen des Wirkstoffes, er ist immer auf der Packung angegeben, meist klein gedruckt. 

3. Wirkstoffwechsel: Bei häufiger Verwendung des gleichen, am Beginn auch erfolgreichen Wirkstoffes, entstehen Resistenzen. Schädlinge und Schadpilze haben sich an den Wirkstoff gewöhnt und sind damit nicht mehr zu bekämpfen. Darum muss möglichst oft der Wirkstoff gewechselt werden. Das gilt insbesondere für Schädlinge mit einem schnellen Lebenszyklus (z. B. Weiße Fliege, Rote Spinne).

Ausnahme zu dem oben Gesagten sind ölhaltige Mittel, z .B. Rapsöl und Paraffinöl. Diese Wirkstoffe hüllen die Schädlinge bei guter Benetzung mit Öl ein, sie ersticken. Eine Resistenzbildung ist nicht möglich!

4. Blattunterseiten benetzen: Die meisten Schadinsekten leben auf den Blattunterseiten. Darum kann eine Bekämpfung nur erfolgreich sein, wenn die Mittel dort platziert werden. Das gilt auch für systemische Mittel. Insbesondere aber für die ungiftigen Mittel, wie z.B. Rapsöl, Kaliseife und Neem-Produkte, die nur durch den direkten Kontakt mit dem Schädling eine Wirkung haben.  

5. Hoher Druck beim Spritzen erzeugt kleine Tropfen. Sie benetzen die Blätter und Triebe besser und gleichmäßiger als große Tropfen. Diese tropfen ab und man hat einen größeren Spritzbrüheverbrauch. Dieser Hinweis gilt besonders für Nutzer von 5- und 2-Liter-Plastikspritzen. Diese Geräte arbeiten mit maximal 3 bar/atü, schon nach wenigen Minuten Spritzarbeit sinkt der Druck stark ab und es entstehen große Tropfen. Nur häufiges Pumpen hilft!

6. Spritzzeitpunkt: An warmen Tagen, insbesondere im Sommer, sollten Insektizide am Abend gespritzt werden (Bienenschutz). Dies erhöht die Einwirkzeit, verzögert die Verdunstung des Mittels und verhindert Verbrennungen.

7. Pyrethrumhaltige Mittel nur in den Abendstunden anwenden, da der Wirkstoff durch starke Lichteinwirkung zersetzt wird. Nur bei Temperaturen zwischen 5-20 °Celsius anwenden. Bei höheren Temperaturen lässt die Wirksamkeit stark nach. Insbesondere in dem Niedrigtemperaturbereich ist die Wirkung nach meinen Beobachtungen gut und im Winterquartier an belaubten Fuchsien zu empfehlen.

 

Tierische Schädlinge

1.1 Blattläuse

Allgemein bekannter Schädling. Bei starkem Befall entstehen durch die Saugtätigkeit Blattverkrüppelungen, besonders an den Triebspitzen. Durch die Saugtätigkeit können Viruserkrankungen übertragen werden. 

Bienenungefährliche Mittel zur Bekämpfung von Blattläusen

1. Azadirachtin (Neem), z. B. Neem Azal T/S

2. Kali-Seifehaltige Mittel, z. B. Neudosan Neu Blattlausfrei

3. Rapsölhaltige Mittel, z. B. Micula 

Bienengefährliche Mittel zur Bekämpfung von Blattläusen

1. Pyrethrumhaltige Mitte,l z. B. Hortex Neu

2. Imidaclopridhaltige Mittel, z. B. Bayer Garten Schädlingsfrei Provado

3. Dimethoathaltige Mittel, z. B. Compo Ziepflanzenspray, Compo Bi 58

4. Abamectin + Thiametoxam, z.B. Compo Axoris Zierpflanzen-Spray

5. Acetamiprid, z. B. Schädlingsfrei Careo

6. Methiocarb + Imidacloprid, z. B. Provado Gartenspray

1.2 Weiße Fliege (Mottenschildlaus)

Aufgrund der starken Vermehrung, vor allem bei hohen Temperaturen, bereitet dieser Schädling Fuchsienfreunden die meisten Probleme. Während der Entwicklung vom Ei bis zum Vollinsekt werden mehre Puppenstadien durchlaufen in denen das Insekt kaum bekämpft werden kann. Da es nur wenig Nahrung aufnimmt, wirken systemische Mittel nicht ausreichend. Für eine erfolgreiche Bekämpfung sind daher mehrere Schritte notwendig.

1. Beim Einräumen der Pflanzen im Herbst sollten nach dem Rückschnitt alle Blätter entfernt werden und zwar außerhalb des Überwinterungsraumes. Damit sind alle Eier und Larven entfernt. Zur Sicherheit sollten die blattlosen Pflanzen mit einem Rapsölhaltigen Mittel, z. B. Schädlingsfrei Naturen oder Micula, gründlich von allen Seiten besprüht werden. So werden auch die Überwinterungsstadien von Roter Spinne und Thripsen beseitigt.

2. Wem diese Methode zu rabiat ist, hat nur Chancen die Weiße Fliege los zu werden, wenn mit beginnendem Austrieb im Frühjahr, wiederholt und mit wechselnden Mitteln im Abstand von wenigen Tagen gespritzt wird.

Mittel zur Bekämpfung der Weißen Fliege

Die gegen Blattläuse wirkenden Mittel sind auch gegen Weiße Fliegen geeignet. Die Ausnahme sind Pyrethrumhaltige Mittel. Gegen diese sind die Insekten weitgehend immun geworden. Die Anwendung ist also auf die oben beschriebene Situation bei extrem niedrigen Temperaturen beschränkt. 

1.3 Gefurchter Dickmaulrüßler

Der flugunfähige Käfer ist nachtaktiv, deshalb bekommt man ihn selten zu sehen. Typisch sind die buchtenförmigen Fraßstellen an Blatträndern von Efeu, Rhododendron und Fuchsien. Den größeren Schaden richten die fußlosen Käferlarven an. Sie fressen unterirdisch die Wurzeln, häufig an der Basis der Triebe, ab. Die Pflanzen welken oder treiben im Frühjahr nicht mehr aus und lassen sich aus dem Boden ziehen. Untersucht man die Erde, findet man die weißlichen, braunköpfigen Larven.

Mittel zur Bekämpfung

Durch Einsatz von Nematoden (Heterorhabditis bacteriophora) ist eine biologische Bekämpfung möglich. Zeitgleich sollten dabei auch Pflanzbereiche mit Rhododendron und Efeu behandelt werden, um eine Zuwanderung aus diesen Bereichen zu verhindern. Die Wirkung ist gut bei Beachtung der Gebrauchsanweisung. Die gute Wirkung ist stark abhängig von genügender Bodenfeuchtigkeit. Bei der Behandlung in Töpfen muss unbedingt auf ausreichende Feuchtigkeit gesorgt werden.

In unterschiedlicher Literatur wird das Gießen mit systemischen Mitteln empfohlen. Der einzig zugelassene Wirkstoff ist Thiacloprid, z. B. Bayer Garten Gießmittel Calypso. Die Anwendung sollte sich aber auf das Gießen in Töpfe beschränken. Das kann bei starkem Befall auch vorbeugend geschehen.

1.4 Rote Spinne ( Spinnmilben )

Spinnmilben benötigen zu ihrer manchmal rasanten Vermehrung Wärme und trockene Luft. Diese Bedingungen finden sie in Gewächshäusern und an sonnigen heißen Standorten. Sind die Insekten erstmal vorhanden, kann man sie nicht durch Besprühen und Anheben der Luftfeuchtigkeit bekämpfen. Beim Spritzen müssen insbesondere die Blattunterseiten benetzt werden. 

Mittel zur Bekämpfung, bienenungefährlich

1. Azadirachtin (Neem), z. B. Neem Azal T/S

2. Kali-Seifehaltige Mittel, z. B. Neudosan Neu Blattlausfrei

3. Rapsölhaltige Mittel, z. B. Micula

Bienengefährliche Mittel

1. Fenpyroximat, z. B. Kiron, ein sehr wirksames Mittel auch gegen Zikaden und Gallmilben, z. B. an Him- und Brombeeren, und wirkt auch gegen Eier und Larven.

2. Imidacloprid+Methiocarb, z. B. Bayer Provado Gartenspray, Lizetan Plus Zierpflanzenspray

3. Acetamiprid, z. B. Schädlingsfrei Careo 

1.5 Zwergzikaden

An Fuchsien werden einige Zwergzikadenarten ein Problem. Häufig wird der Befall nicht rechtzeitig erkannt, da die Schäden an den Blattspitzen wie Verbrennungen durch Dünger oder Sonneneinstrahlung aussehen. Der Schädling lebt meist versteckt unter den Blättern. Wenn man die Blätter berührt springen sie wie kleine Grashüpfer auf. Die Bekämpfung sollte Anfang Juni erfolgen, um die beschriebenen Schäden zu verhindern. Rhododendron werden ebenfalls von einer größeren Zikadenart befallen und übertragen dabei eine Pilzkrankheit, die zu schwarzen abgestorbenen Blütenknospen führt. Da der Befall etwa zeitgleich erfolgt, sollten die Pflanzen kontrolliert und bei Befall mit behandelt werden. 

Mittel zur Bekämpfung, bienenungefährlich

1. Azadirachtin (Neem), z. B. Neem Azal T/S

Bienengefährlich

1. Pyrethrum-haltige Mittel, z. B. Neudorf Spruzit flüssig; Stähler Natur Insektizid Pyreth; Celaflor Schädlingsfrei Parexan

Pilzliche Erkrankungen

2.1 Fuchsienrost

Die Symptome: Die unteren Blätter werden gelb, es erscheinen braun-schwarze Flecken und an den Blattunterseiten bilden sich orangefarbene Sporenlager. Die befallenen Blätter fallen ab, die Pflanzen verkahlen von unten. Auch scheinbar gesunde Blätter sind zu diesem Zeitpunkt häufig schon erkrankt, denn der Pilz ist mit seinen Hyphen in das Blattgewebe eingedrungen und hat dort ein Myzel, ähnlich einem Wurzelgeflecht gebildet. Die unten angeführten Mittel, bis auf Polyram WG, sind fungistatische Mittel. Sie verhindern weiteres Wachstum des Myzels und Bildung von Sporenlagern.

Wie alle Rostpilze ist auch der Fuchsienrost auf wenige Pflanzenarten spezialisiert. Dieses ist die Familie der Onagraceae. Zu ihr gehört auch das weit verbreitete heimische Weidenröschen. Von ihm werden in den Sommermonaten die Fuchsien infiziert. Dieses ist nur möglich, wenn die Blätter nass sind. Vorbeugend sollte zu dichter Stand vermieden werden und die Fuchsien sollen über Nacht abgetrocknet sein. Da der Befallsdruck sehr unterschiedlich ist, muss an gefährdeten Standorten ab Juli vorbeugend alle 3-4 Wochen gespritzt werden.

 

Mittel zur Bekämpfung

Das häufig verwendete Baymat ist nicht mehr zugelassen. Die Wirkung war in den letzten Jahren durch Resistenzbildungen nicht mehr ausreichend. Bei häufigem Gebrauch ist die Verwendung unterschiedlicher Wirkstoffe zur Verhinderung von Resistenzen wichtig

  1. Azoxystrobin-haltige Mittel sind besonders für die vorbeugende Behandlung geeignet. Z. B. Neudosan Rosen-Pilzfrei; Neudosan Gemüse Pilzfrei; Spies-Urania Rosen Pilzfrei; Celaflor Rosen Pilzfrei Saprol; Compo Ortiva Universal Pilzfrei
  2. Myclobutanil-haltige Mittel, dazu gehört auch das für den Haus- und Kleingarten nicht zugelassene Systane. Zugelassene Mittel z. B. Pilzfrei Ectivo; Celaflor Pilzfrei Saprol wirken auch sehr gut bei starkem Befall.
  3. Metiram-haltige Mittel, z. B. Polyram WG, wirken nur vorbeugend und hinterlassen starke Spritzflecken. Sie haben aber in der Stecklingsvermehrung zur Vermeidung von Pilzkrankheiten Bedeutung.  

2.2 Grauschimmel (Botrytis cinerea)

Dieser Pilz, benannt nach seinen grauen Sporenlagern, tritt überall auf an Orten mit hoher Luftfeuchtigkeit. Senkung der Luftfeuchtigkeit ist die wichtigste Maßnahme zu seiner Bekämpfung. Dieses gilt insbesondere in Gewächshäusern während der Winterzeit. Darum Pflanzen nicht zu eng stellen; wenig und nur morgens gießen damit die Pflanzen zum Abend wieder abgetrocknet sind. Bei Sonnenschein und hohen Temperaturen lüften, um die Pflanzen abzuhärten. Ventilator einsetzen. 

Mittel zur Bekämpfung:

1.Fenhexamid-haltige Mittel, z. B. Teldor von Bayer. 

2.3 Wurzelfäulen ( Pythium + Phytophthora )

Diese Erkrankungen werden häufig durch Nässe und dadurch bedingten Luftmangel im Wurzelballen begünstigt. Auch hohe Bodentemperaturen, zu hohe Salzgehalte, hervorgerufen durch Überdüngung tragen zum Befall bei. Darum für sicheren Wasserabzug sorgen. Pflanzen trockener halten. Befallene Wurzeln zurückschneiden, Erde entfernen. Restballen in eine Pflanzenschutzlösung tauchen. Triebe ebenfalls einkürzen, um die Verdunstung zu verringern.  

Mittel zur Bekämpfung

1. Aluminium-Fosetyl-haltiges Mittel, z. B. Bayer Special-Pilzfrei Aliette

2. Promocarb + Fosetyl-haltiges Mittel, z. B. Previcur Energy 

2.4 Mehltau.

Diese Pilzerkrankung ist bei Fuchsien nicht sehr häufig und tritt nur bei ungünstigen Bedingungen auf. Meistens bei zu dichtem Stand, Lichtmangel, hoher Wärme und Luftfeuchte.

Mittel zur Bekämpfung:

1. Myclobutanil-haltige Mittel, z. B. Pilzfrei Ectivo; Celaflor Pilzfrei Saprol

2. Tebuconazol - haltiges Mittel z.B. Bayer Garten Rosen-Pilzfrei Spray Folicur

3. Schwefel-haltige Mittel, z. B.Compo Mehltau-frei Kumulus WG; Spiess Urania Netzschwefel Sufran Jet. Schwefelhaltige Mittel müssen wöchentlich gespritzt werden, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.

5. Lecithin-haltige Mittel, z. B. Neudorf Bio Blatt Mehltaumittel. Wöchentlich spritzen, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen.