Die Geschichte der Fuchsie in Europa

© J. V. PORTER

Felix Porcher behauptet 1844: "Die ersten Arten der Fuchsie wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch Father Plumier - einem Mönch der Minimen angehörend - beschrieben". Seit dieser Zeit sind sich die Historiker einig, dass es tatsächlich Father Charles Plumier war, der die erste Fuchsie gefunden und beschrieben hat und ihr auch ihren Namen gab.

Plumier nannte seine erste Fuchsie Fuchsia triphylla flore coccinea und veröffentlichte seine Beschreibung zum ersten Mal in seiner Arbeit Nova Plantarum Americanarum Genera von 1703.

Zufolge vieler früherer Autoren war Plumier als Botaniker und Graveur ein Experte, obwohl er nur vier Staubgefäße in seinen Illustrationen zeichnete. Stellen Sie sich vor, Sie wären die erste Person in der westlichen Welt, die diese neue Pflanze gefunden hat, sind außerdem ein exzellenter Graveur und Künstler und porträtieren diese neue Pflanze mit VIER fehlenden Staubgefäßen! Ich bezweifle das.

Weitere Gründe, die mir in den Sinn gekommen sind, WARUM triphylla?; dies bedeutet dreiblättrig. Zuweilen mag dreiblättrig zutreffen, aber meistens würde ich sagen, das triphylla ist zweiblättrig, d. h., zwei Blätter gegenüber an jedem Blattknoten. Also warum zeigte Plumiers Zeichnung gar keine Blätter?

Ich habe zwei Erklärungen für Plumiers Fehler: Erstens war es nicht Plumier, der die Zeichnung anfertigte. Ganz klar zu sehen auf den Kopien der Originalzeichnungen in Nova Plantarum Americanarum Genera ist etwas, das der Name P. Giffartfe zu sein scheint.

Plumiers/Giffartfes Zeichnung zeigt eine zweiteilige Blume von F. triphylla, obwohl wir nur vier Staubgefäße sehen. Wie auch immer, es zeigt eine volle Blüte mit Staubgefäßen, die schwierig zu zählen sind, aber es scheinen vier/fünf zu sein. Da ich nur Reproduktionen von Plumiers/Giffartfes Zeichnung gesehen habe, muss ich mein Urteil einschränken, bis ich das Original gesehen habe. Was auch immer das Ergebnis sein wird, mag ich nicht glauben, dass Plumier so einen einfachen Fehler gemacht haben soll.

Bezug nehmend auf eine Fuchsienuntersuchung durch W. P. Wood wurde die erste authentische Darstellung einer Fuchsie von R. P. L. Feuilee im Journal des Observations Botanique 1725 unter dem Namen "Thiles" veröffentlicht. Wenn dies zutrifft, wie konnte Feuillee wissen, dass Fuchsien acht Staubgefäße haben? Auf der Kopie von Thilco, der ersten authentischen Zeichnung in W. O. Woods Buch (dieselbe Skizze erscheint auch in Gerda Mantheys Buch "Fuchsias" von 1990) ist es unmöglich, die Staubgefäße zu zählen.

Durch weitere Nachforschungen entdeckte ich im Journal des Observationen physique, mathematiques et botaniques, faites par ordre du Roi sur les cotes orientales de l’Amerique meridionale & aux isles de l’Amerique (Zeitschrift der Beobachtungen der Physik, Mathematik und Botanik. Durchgeführt im Auftrag des Königs an den Küsten Mittelamerikas und den amerikanischen Inseln) eine Zeichnung von Thilco (ein einheimischer Name für die Fuchsie) und der Text besagt, dass sie in "Chily" gefunden wurde. Deshalb, im Gegensatz zur Meinung einiger früherer Historiker, versuchte Feuillee gar nicht erst, den Staubgefäßirrtum von Plumier zu korrigieren. Er zeichnete etwas völlig anderes und realisierte wahrscheinlich gar nicht, dass es eine Fuchsie war. Also ungleich den etwas aktuelleren Kopien zeigte Feuillees Originalzeichnung klar, dass Thilco zehn Staubgefäße hat. Wenn wir annehmen, dass eines die Narbe (Stigma) ist, haben wir immer noch eine unkorrekte Zeichnung, diesmal mit neun Staubgefäßen. Sogar der Text von Feuillee selbst geschrieben beschreibt 10 Staubgefäße, ohne die Erwähnung einer Narbe (Stigma) beschreibt er seltsamerweise fünf Blütenblätter.

Nun haben wir noch ein anderes Problem: woher erhielt Feuillee seine Informationen über Thilco? Die Veröffentlichung von 1725 beschreibt: "Histoire des plantes medicinale qui sont le plus en usage aux royaume du Perou & du Chily dans l’Amerique meridionale. Composee sur les lieux par ordre du Roy, dans les annees 1709, 1710 & 1711. (Geschichte der Medizinpflanzen, die am meisten in Gebrauch sind in den mittelamerikanischen Königreichen Peru und Chile. Angefertigt an Ort und Stelle im Auftrag des Königs in den Jahren 1709, 1710 & 1711.)

Ich nehme an, dass nach Plumiers Tod weitere Reisen nach Amerika gemacht wurden, entweder durch die neuen Botaniker des Königs oder auf seinen Befehl, was dann zu der Expedition führte, bei der die Thilco gefunden wurde.

Wer war es dann, der Europa die erste korrekte Zeichnung einer Fuchsie gab? Ich habe nichts gefunden, dass früher datiert ist als Curtis Zeichnung der F. coccinea von 1789. Vielleicht gibt es früheren Zeichnungen, die in den Museen und Büchereien Europas verborgen sind.

Ich denke, dass es Lamark war, der als erster realisiert hat, dass die Gattung Fuchsia mehr ist als nur eine Spezies, und er muss auch gewusst haben, dass die Anzahl der Staubgefäße acht betragen sollte. Vielleicht zeichnete er eine korrekte Skizze?

Wir haben nun ein ungefähres Datum für die ersten französischen Entdeckungen von F. triphylla und Thilco, d. h. 1703 und 1709/10/11, und wir haben auch eine fast authentische Zeichnung einer "FUCHSIA" durch Feuillee von 1725. Wie auch immer, dies ist nicht die erste Information, die für uns erhältlich ist mit Hinweisen auf Thilco.

Aufbewahrt im National History Museum, London, im Sir Hans Sloane Herbarium, Ausgabe 8, Seiten 105/128/148 sind drei Kräuterexemplare der Pflanze von der Magellanstraße, welche die Einheimischen dieses Teiles der Welt Thilco nennen. Diese Exemplare wurden von George Handisyd gesammelt, der Chirurg an Bord des Schiffes Modena war.

Handisyd sandte diese Proben zu Hans Sloane "um das Jahr 1689 herum". Dies vordatiert Louis Feuillees Zeichnungen von Thilco um ca. 36 Jahre, dies war 14 Jahre bevor Plumier triphylla für die westliche Welt im Jahr 1703 beschrieb und zeichnete.

Ich denke, wir müssen nun die Art und Weise ändern, in der die Fuchsienwelt über 150 Jahre lang die Geschichte der Fuchsie verstanden hat. Es ist ohne Zweifel, dass George Handisyd die erste Person war, die Europa mit der Fuchsie bekannt machte. Während oder um das Jahr 1689 wurde dies Pflanze ursprünglich mit ihrem einheimischen Namen Thilco benannt und wurde später bekannt als F. Magellanica (Lamark 1788). Kurz nachdem Handisyd Thilco gefunden hatte, kam die Entdeckung der Fuchsia triphylla flore coccinea durch Father Charles Plumier. Thilco wurde wieder entdeckt 1709/1710/11 durch eine französische Expedition nach Südamerika und wurde gezeichnet durch Louis Feuillee 1725. Bezug nehmend auf Phillip Maier 1771 entdeckte William Houston auch eine Fuchsie in Kolumbien. William Houston starb 1733, sandte aber Samen zu Miller vor seinem Tode.

Wir haben bisher nur Kräuterexemplare und Zeichnungen diskutiert, die nach Europa gekommen sind, welche für Gärtner wirklich wenig von Nutzen sind, anders als für das Interesse und die Wissenschaft. Deshalb - wann war es und wer war es, der die erste lebende Fuchsie Europa vorstellte?

F. coccinea aus Brasilien ist generell als erste in Europa erschienene lebende Pflanze akzeptiert, wahrscheinlich als 1788 ein Captain Firth eine Pflanze an Kew Gardens übergab.

Wie auch immer, erneute Verwirrung wurde ein Jahr später 1789 verursacht, als Curtis Botanical Magazine das erste farbige Bild einer Fuchsie zeichnete. Obwohl die Zeichnung großartig und über F. coccinea war, sagte der Text, dass sie aus "Chili" kam und das sie gleich mit Feuillees Thilco sei. Hier haben wir die erste Vermischung von F. coccinea und F. magellanica (Thilco).

Andere Fuchsien wurden auch um diese Zeit herum entdeckt, bei den vielen pflanzenjagenden Expeditionen zu dieser Periode wurde F. magellanica von 1788 immer Lamark zugeschrieben. Dies ist schwer zu verstehen, da es sichere frühere Anspruchsteller gab, wie George Handisyd 1689, der als erster Kräuterexemplare nach Europa schickte und Louis Feuillee, der als erster 1725 diese zeichnete. Warum nur erhielt Lamark die Ehren?

Proben, die von einem Philibert Commerson gesammelt worden waren, wurden Lamark zur Identifizierung gegeben, und um sie in die richtige Gattung und Gruppe einzuordnen. Er identifizierte eine Probe, genannt Thilco als eine Fuchsie und nannten sie F. magellanica. Ich denke, Lamark war tatsächlich die erste Person, die eine Fuchsie korrekt identifizierte. Wie Lamark sie identifizierte, habe ich bis jetzt nicht entdecken können, aber ihm gebührt eine Menge Ehre. Wer importierte als erster lebende Pflanzen oder Samen von F. magellanica nach Europa? Das ist ein Problem, das ich nicht in der Lage bin zu lösen, teilweise ist dies zurückzuführen auf die fruchtbare Vermischung zwischen F. coccinea und F. magellanica während des 18. Jahrhunderts.

Obwohl ich derzeit nicht völlig präzise sein kann, würde ich schließen, dass F. magellanica in Europa 30 Jahre nach F. coccinea erschien, wahrscheinlich um 1829 bis 1825. Folglich präsentierten die Gärtner und Kreuzer (Züchter) dieser Zeit zwei verschiedene Arten, obgleich beide ähnlich Farben aufwiesen.

Ich habe NICHT gesagt, dass meine Version absolut das Ende aller Untersuchungen bedeutet. Weit gefehlt! Ich würde bestimmt jeden interessierten Fuchsienenthusiasten ermutigen und tatsächlich unterstützen, der sich für die Fuchsiengeschichte engagieren möchte. Wer weiß schon, wo Information gefunden werden kann? Büchereien oder Museen in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Portugal, Holland, tatsächlich in jedem der europäischen Länder könnten lebenswichtige Informationen zu dieser detektivischen Untersuchung beisteuern. Dreihundert Jahre von historischen Fehlern könnten entwirrt werden, wenn andere Enthusiasten in Europa beginnen würden, die Archive zu durchstöbern.

Ich möchte diesen Ratschlag an mögliche Historiker weitergeben, verfolgen Sie die ursprüngliche Quelle der Information soweit wie möglich zurück und bemühen Sie sich nicht weiter, in der Unterhaltung von Fehlern.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors: J. V. Porter, England

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