Die Gärtnerei Breuckmann in Plettenberg

Nicht das erste Mal besuche ich eine Fuchsiengärtnerei, um sie unseren geneigten Lesern bekannt zu machen. Sie existieren ja in Deutschland nicht in großer Zahl. Die Gärtnerei Wenzel in Fürth hat ab 2010 zum Beispiel keine Fuchsien mehr in ihrem Sortiment. Ich vermute aber, dass es den einen oder anderen Geheimtipp noch gibt, wo Liebhaberpflanzen, wie unsere Fuchsien, angeboten werden. Entsprechende Hinweise werden dankend entgegen genommen. (bk)

Das Wetter am 13. Juni 2009 lud mehr zum Strandurlaub ein, als sich sechs Stunden auf die Autobahn zu begeben. Aber es reist sich ja auch bei schönem Wetter angenehmer als in Sturm und Regen. Gut vesorgt mit Proviant und Unterhaltung für etwa 570 Kilometer bis Plettenberg startete ich erwartungsvoll und frohen Mutes in mein Reiseabenteuer.

Plettenberg liegt im landschaftlich beeindruckenden Hochsauerland, doch kurz vor meinem Ziel hatte ich noch eine sehr kurvenreiche Strecke zu bewältigen, da war leider wenig Möglichkeit zum Schauen der bergigen und waldreichen Landschaft. Ja, säße mein Mann am Steuer …

Hier soll eine Gärtnerei sein, im Wald? Im Wald nicht, aber in einer kleinen Talsenke lag sie versteckt. Unverhofft erblickte ich ein Schild an der Straße: Gärtnerei Breuckmann. Ich war am Ziel. Arme und Beine etwas lockern, dann betrat ich das erste sonnendurchflutete Gewächshaus. Keine Fuchsien, aber reiches Blühen von Sommerblumen. Aber auch kein Gärtner zu sehen und zu hören, nur Geräusche der Bewäs­serungs- und Klimaanlagen, eine anheimelnde Atmosphäre.

Kurz darauf eine freundliche Begrüßung. Nicht nur durch Anselm Breuckmann, auch seine Frau, munter und angenehm natürlich, sowie seine zwei prächtigen Söhne lernte ich kennen. Eine intakte, harmonische Familie, so mein Eindruck während meines Aufenthalts. Für den Er­werbsgärtner Anselm Breuckmann sicher ein beruhigendes, starkes Hinterland.

Der Gärtner, richtiger, der diplomierte Gärtner und die neugierige Besucherin begaben sich nach einem stärkenden Mittagsmahl zügig in die Gewächshäuser. Endlich auch ins Heiligtum, zu den Fuchsien.

Die Geräuschkulisse, verursacht durch die fast ununterbrochen fahrenden Biker auf der kurvenreiche Straße oberhalb der Gärtnerei, war für mich erst einmal gewöhnungsbedürftig. Trotzdem kamen wir beide schnell ins Gespräch. Ganz kurz, viel zu kurz, auch mit Heinrich ­Breuck­­­­­­­­­mann,­ dem Gründer der Gärtnerei, Anselms Vater. Das Hinterfragen der Vergangenheit ist für das Verstehen der Gegenwart ja nicht zu unterschätzen. Doch Familie Breuckmann sen. war zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, die nicht am Ort stattfand.

Ich erfuhr, dass es die Gärtnerei seit 1962 gibt und 1969 an den heutigen Standort wechselte. Im Jahr 2000 hat Vater Breuckmann die Gärtnerei an seinen Sohn Anselm weitergegeben.

Heinrich Breuckmann, der mit seiner Frau auch auf dem Gärtnereigelände wohnt, hatte mit den ersten Fuchsien Ende der siebziger Jahre seine Gärtnerei erweitert. Es war die Zeit des Erwachens oder auch Wieder­er­wachens der Fuchsienleidenschaft in Deutschland. 'Ortenburger Festival', 'Beacon', 'Leverkusen' und 'Marinka' hießen damals die jungen Neuankömmlinge aus der Gärtnerei unserer Fuch­sienpioniere Klara und Rudolf Baum in Leonberg. Von der Gärtnerei Töpperwein gesellte sich 'Elfriede Ott' hinzu.

1985 hatte der Senior Breuckmann auf der BUGA in Berlin ausgestellt. Noch heute kann er sich über die schlechte Bewertung seiner Pflanzen damals ärgern. Aber 14 Tage später erhielt er einen Sonderpreis. So beteiligte sich Heinrich Breuckmann auch 1987 in Düsseldorf und 1989 in Dortmund an Fuchsienausstellungen.

Meine erste Frage an Anselm Breuckmann nach der Zahl der Beschäftigten in seiner Gärtnerei ließ mich mehr als erstaunen: Ein Mann - und ab und zu ein paar Helfer während der Hochzeiten des Geschäftes! Seine Frau betreut zusätzlich gern den Marktstand in der Stadt, manchmal zweimal in der Woche. Kein Wunder, dass die Webseite der Gärtnerei Breuckmann immer noch nicht fertig gestellt ist.

Die Fuchsiensortenliste ist ganz anders aufgebaut als die anderer Fuchsiengärtnereien. Neben vielen dienlichen Hinweisen für den Fuchsienliebhaber teilt der Fuchsiengärtner seine 800 lieferbaren Sorten in Deutsche Sorten nach 1950, Ausländische Sorten nach 1950, „Historische" Sorten vor 1950 und Fuchsien-Arten. Es sind mehr oder weniger Fuchsien von etwa 25 deutschen Züchtern aufgeführt, wobei die Züchtungen von Hartwig Schütt und Karl Strümper fast vollständig vertreten sind.

Bei den Pflanzen seines Kernsorti­ments, etwa 250 Sorten, die jährlich auch variieren können, legt er besonderen Wert auf den Pflanzenaufbau und nicht auf eine frühe Blüte. Das heißt, die Fuchsien werden u.U. mehrmals vor dem Verkauf ent­spitzt. In der Gärtnerei kaufen hauptsächlich Fuch­sienliebhaber, die zu seinen Stammkunden zählen und die Fuchsien auch überwintern möchten. Auf Wunsch werden Fuchsien auch mit einer sicheren Verpackung versendet, die man am besten über der Badewanne oder in der Kom­postecke öffnet. Die kleinen, superleichten Styro­por­kügelchen können anschließend gut zu einem Teil als Beimischung für die Pflanzerde zwecks besserer Belüftung verbraucht werden.

Anselm Breuckmann verkauft keine rechtlich geschütz­ten Sorten. Der Aufwand für Lizenzverträge und Lizenzen wäre in Relation zu den verkauften Stückzahlen/dem Umsatz zu hoch.

Seine Firmenphilosophie ist deutlich kundenorientiert und äußert sich in einem engen Kontakt zum Käufer, im Austausch mit ihm, in der individuellen Beratung. Auch hält er Kontakt mit verschiedenen Züchtern, testet gerne neue Sorten und berät zur Sortenbewertung, wenn es gewünscht ist. Dass er in erster Linie die Wirtschaftlichkeit seiner Gärtnerei zu beachten hat, hob er deshalb nicht als seine vordring­lichste Aufgabe hervor. Obwohl es natürlich unbesehen notwendig ist und auch erreicht wird mit seinem reichen Som­mersor­timent und dessen Absatz. Außer in der Gärtnerei, auf Wochenmärkten und auf dem Kiekeberg. (Im Kurier schon mehrmals beschrieben in Verbindung mit dem FK Hamburg.)

Anselm Breuckmann verwendet für seine Fuchsien ein fertiges Substrat, leicht aufgedüngt mit einem neutralen ph-Wert. Es besteht aus 70% Weißtorf und 30% Tonmineralien. Sie gewährleistet eine gute Luftfüh­rung und ausreichende Wasser- und Nähr­stoffspeicherung. Nach drei Wochen empfiehlt der Fuchsiengärtner eine Nachdüngung mit einem zusammengesetzten Dünger. In dieser Erde kultiviert er alle seine angebotenen Pflanzen.

Interessant war für mich die Bewässerungsanlage, die automatisch nach Einstellung der Intervalle und Wassermenge arbeitet und gleichzeitig düngt. Das war eine Investition noch von Vater Breuckmann, die seinem Sohn Anselm einen nicht unerheblichen Zeitaufwand für anstehende produktive Arbeiten freisetzt.

Den Sonnabendabend, der Arbeitstag war beendet, verbrachte ich mit der Familie Breuckmann in ausgiebiger Plauderei. Schließlich musste ich aber doch mein Hotel in der Stadt aufsuchen. Mein Navi­gationsgerät hatte gerade mal eine schwache Minute und so erreichte ich erst auf Um­wegen mein Nachtlager. Das fand ich nicht so toll.

Für den Sonntagvormittag hatte ich das Bedürfnis, die Zeit, die ich An­selm Breuckmann am Tage zuvor durch meine Fragerei „gestohlen" hatte, durch praktisches Mittun zu einem kleinen Teil zurückzugeben. Er zögerte auch nicht lange und gab mir eine kleine Schere in die Hand. Ich durfte vom Aztekischen Süßkraut Stecklinge schnei­den. Kann ich doch! Konnte ich eben nicht! Jedenfalls nicht professionell. Das Greifen des Triebes und das Handling mit der Schere zur Sicherstellung einer rationellen Arbeitsweise wurden mir vorgeführt, und dann befiel mich kurz ein Gefühl wie vor 50 Jahren: Lehrling. Bald ging es mir aber doch gut von der Hand.

Anschließend wurden die Stecklinge ohne Ver­zögerung auch ge­steckt. Da­zu werden in der Gärtnerei in Plet­tenberg spezielle Sty­ro­por­pa­let­ten mit recht kleinen Pflanzmul­den eingesetzt, die mit einer Anzuchterde gefüllt werden. Wieder erhielt ich eine De­mo mit einigen geschickten Hand­griffen, und bald hatte ich meine Paletten sauber mit den Stecklingen gefüllt.

Für das Pflanzen von bewurzelten Fuch­­sienstecklingen ließ mich der Meister sogar zuvor die Topfma­schi­ne bedienen. Wir arbeiteten beide Hand in Hand und eins, zwei, drei fix waren viele Töpfe mit Erde gefüllt.

Leicht verwirrt war ich allerdings, dass Anselm Breuckmann gleich Elf-Zentimter-Töpfe für die kleinen Pflänzchen verwendet. Ein Erwerbsgärtner muss eben nach anderen Prinzipien seine Arbeitsfolgen verrichten. Und es funktioniert, wie ich an der Entwicklung seiner Jungpflanzen anschaulich erkennen konnte.

Auch diese Tätigkeit ging von Palette zu Palette flinker voran. Die kleinen Pflanzen mit kräftigem Wurzelballen und teilweise schon blühend (die Blüten wurden natürlich entfernt) rutschten wie von selbst nach einer geschickten Entnahme aus der Palette in die bereits an der Topfmaschine mit einer Vertiefung versehenen weichen Erde.

Doch, ein bisschen hatte ich mitgeschafft, und mein ,Ausbilder' schien auch mit mir zufrieden zu sein.

Ich wäre gern noch geblieben, denn das praktische Arbeiten hat mir viel Freude und ein wenig Genugtuung gegeben. Doch es lagen noch einmal 570 Kilometer Heimfahrt vor mir.

Ich verließ die Gärtnerei mit auf­schlussreichen Einsichten, Erinnerungen an interessante Gespräche und ein paar netten Stunden in der Breuck­mann-Familie. Besonders erfreut war ich, neben ein paar Pflanzen (wie könnte es anders sein!), über einen Sack „Breuckmann"-Erde (wie beschrieben). Sie hält wirklich ausgezeichnet die Feuchtigkeit und damit sicher auch die Nährstoffe im Substrat. Ich versuche, einen Anbieter dafür in meiner Nähe auszumachen.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft, liebe Familie Breuckmann.

 

 

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Chef der Gärtnerei: Ansellm Breuckmann
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'Nordseebrandung'. Züchter: Schütt,D, 2004. Bei dieser Fuchsie wurde ich schwach. Sie hat eine große, halbgefüllte Blüte mit starkem Farbkontrast und blüht reich und ununterbrochen.
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'Argentina Pulchra'. Züchter: Strümper, D, 2001. Sie wurde in Frankfurt 2006 im Palmengarten getauft.
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'Deltas Angelique'
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Das Fuchsienhaus. Auch wenn der Besucher sich herunterbeugen muß- die Übersicht ist besser und der Betrachter kommt schneller zu den verschiedenen Sorten. Die feinen Schläuche sind Topfschläuche, an die Ampeln oder andere hochgehängte Töpfe angeschlossen werden können.
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Die Steuerungsanlage für die automatische Bewässerung auf den Pflanzentischen. Sie arbeitet halbautomatisch. Der Gärtner schaltet sie ein bzw. aus.
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Die offene Zulaufrinne. Über die schmalen horizontalen Rinnen läuft das Wasser und der Dünger zu den Pflanzen.
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Die Zulaufrinne wird mit einer Abdeckung geschlossen
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Meine gesteckte Süßkrautpalette
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Und die getopften Fuchsienstecklinge
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Hier waren die Berge schon nicht mehr so hoch, aber wenigstens ein Foto von der schönen Landschaft wollte ich heimbringen.Dazu musste ich aber erst einmal die kurvenreiche Strecke hinter mir lassen.

Text und Fotos: Brigitte Kannler